[inspic=39,left,fullscreen,thumb]Es war mir eine außerordentliche Ehre einmal Lawrence Lessig persönlich erleben zu dürfen. Der Begründer der Creative Common Bewegung und Professor an der Stanford Law School zeigte mit unglaublichem Esprit, wie man eine schwierige Thematik deutlich und übersichltich an den Mann bringen kann. Am beeindruckendsten an seinem Vortrag war allerdings der Einsatz der Slides: Die Kernbegriffe seiner Aussagen wurden durch einen Knopfdruck auf seine Fernbedienung quasi Lippensynchron zum gesprochenen eingeblendet – in sehr schlichtem aber extrem stylishen Design. Suggestiv auch der Einsatz von schwarzem und weißem Hintergrund, fast wie in Hollywood: weißer Hintergrund schwarzer Text bei den ‘guten Ideen ‘, schwarzer Hintergrund und weiße Schrift bei den ‘bösen Ideen’. Die Schrift fast etwas gewagt in einer gebrochenen Courier-Type, Grafiken und Artwork sehr effektvoll eingesetzt. Ob Mr. Lessing seine Slides selber macht, habe ich mich gefragt – wenn nicht, hat er auf jeden Fall Leute im Team, die ihr Handwerk verstehen. Was nicht besonders verwundert, wenn man seinen Gedanken zur CCL versucht nachzuvollziehen.
Die Content-Communities (music, video, bilder) haben den Kampf um den Umgang mit ihrer Autorenschaft gerade erst angefangen. Die Softwareszene hat mit den Diskusionen um GPL, Apache-License und ähnlichem die synthetisierungsprozess im Prinzip in den 80er und 90er Jahren bereits ausgefochten und es haben sich Lizenzsysteme entwickelt, die Effektiv und stabil kreative Softwareentwicklung födern und befruchten können. Es zeigt sich aber, dass die Errungenschaften um Softwarelizenzen nicht eins zu eins auf die Content-Bereiche zu übertragen sind, da in deren Zusammenhang es andere Mechanismen gebraucht werden, um ‘free driving’, also das entnehmen aus dem ‘Sharing-System’ ohne etwas zurückzugeben, eindämmen zu können. Die Kommerzielle Verwertbarkeit scheint im Content-Bereich eine stärkere Absicherung vor Missbrauch zu benötigen. Lessig verteidigte deswegen sein Konzept der ‘Puzzle-Lizenz’ die einem Content-Produzenten die Wahl läßt zu entscheiden, was mit dem Material, das der Community zur Verfügung gestellt wird, pasieren kann bzw. darf (kommerzielle Verwertung/Benutzung, Veränderung, Credits). Lessig ist der Auffassung, dass die bestehenden Systeme und Rechtsauffassungen im Prinzip bestehen bleiben müssen, dass man also in der Sprache der ‘Judges of old days’ ein rechtsstaatliches Paralleluniversum errichtet, dass den Kreativen den Raum schafft, ihre Sampling-Kultur weiter zu entwickeln. Und aus der Sicht des Juristen ist diese Einstellung auch durchaus nachvolliziehbar: Wenn man Kämpft, dann doch mit den selben Waffen, die das überkommene System benutzt.
Beeindruckend auch die Reihe der Diskussionspartner, die Lessig noch ein bißchen tiefer auf den Zahn fühlen wollten. Zum Abschluß dann auch John Perry Barlow, der sich dafür stark macht, in einer gemeinsamen Bewegung, einer Art Hippie-Hacker-Bewegung, das alte System zu brechen und dann letztlich ‘top-down’ einen, unseren, Umgang mit CopyRightLeftWasauchimmer durchzusetzen. Mein persönlicher Favorit für den diesjährigen Award für die beste Lecture.