Das Paradies in Gefahr
Freitag, den 16. März 2007Das US Copyright Board bringt alle unabhängigen Webcaster in Gefahr ihre meist onehin dünne finanzielle Situation so zu verschärfen, dass die Vielfalt des Internetradio in ernste Gefahr gerät. Es geht darum, dass neue Urheberrecht-Abrechnungsmodalitäten Geld in die Kassen der Plattenindustrie spülen soll, die sich endlich Wege ausdenkt, wie sie den Wildwuchs der Verbreitung ihrer Musik in den Griff kriegt. Da Verbreitung über das Internet anscheinend eine unüberschaubarer Vertriebsweg für Musik zu sein scheint - sie sich aber nicht in der Lage sehen, das Internet komplett abzuschaffen, sollen Musiksender, die nicht direkte Ableger der Indusitrie sind mit einer unrealistischen Abgabestruktur vom Markt gedrängt werden.
Wäre Radioparadise nicht, wäre unser Alltag grau und stumm. Bill Goldsmith, der Betreiber des beliebten Classic Rock-Senders, hat als Sprachrohr freier Internetradios www.saveourinternetradio.com ins Leben gerufen und wehrt sich lautstark gegen die Hydra der Rechteinhaber aus der Musikindustrie - unter anderem mit einer Onlinepetition. Die onehin schon existierende Benachteiligung von Webcastern gegenüber Satellitenprogrammen würde durch die neuen Urheberrechtsabgaben grotekse Ausmaße annehmen. Das scheinen auch die großen der Branche zu wittern, weshalb Bill sich mit seinem Protest in guter Gesellschaft sieht: Amazon, AOL, YouTube, MTV, Yahoo ja selbst Microsoft sind skeptisch gegenüber dem Vorstoss des Kongresses. Steve Jobs, der sich in letzter Zeit gar despektierlich über DRM äußerte, darf in dieser Liste nicht fehlen - doch hat er noch keine Taten folgen lassen - was die Free Software Foundation zu einem offenen Brief veranlasste.
Urheberrechtsschwierigkeiten sind in unserer Kompilations- und Remixkultur vorprogrammiert, das wissen wir ja bereits, doch es scheint so, als versuche die Musikindustrie ihre Kontrolle über die Musik-Produktion und -Verbreitung so stark auszudehnen, dass sie den Markt und vor allem die Inhalte in den Griff bekommen. Kleine Labels, unabhängige Künstler und Musik, die sich den herkömmlichen Vertriebs- und Produktionswegen verschließt soll systematisch ausgemerzt werden - alle andere Musik muss Geld in ihren Rachen werfen.
Herkules schwinge dich auf! Das Schwert in deiner Rechten, unserern Wind in deinem Rücken und zeige der Hydra die Kraft deiner halbgöttlichen Linken.


Das neue Jahr startete für mich dann im regnersichen Hamburg mit einer quasi Gegenveranstaltung zum CCC-Kongress. ‘It was more PC to let the computer switched off.’ Nun. Dafür waren die Tage in der Mutterstadt des CCC mit allerlei anderen Highlights gespickt: 0:00 Uhr auf dem Michel, ein ganzer Saunatag, eine absolut abgefahrene Video-3D-Show im Planetarium zu dem Album ‘The Darkside of the Moon’, das ich wirklich auswendig kenne, viel Essen - auch Kekse - und nette Zeit verbringen. Ich durfte dann schließlich doch noch für Eddi einen Computer kaufen und DSL und WLAN einrichten - war also insgesamt ein sehr gelungener Einstand.