doomiger DarkRoom

31. Januar 2007 von Guy Simonow

[inspic=42,left,fullscreen,thumb]Das ist wirklich ein geiles Ding. Der ganze Monitor ist schwarz. Ein Cursor blinkt. Sonst nichts. Stille. Alles schwarz. Hier hat man keine Angst vor einem weißen Blatt Papier. DarkRoom ist ein musisches Stück Software. Nun vielleicht nicht das Progamm an und für sich, aber Schreiben ist plötzlich anders. Fast so wie mit dem Zettel und dem Stift – damals.

Man hat abgesehen vom Text, der sich nach und nach den Bildschirm hinunterschlängelt, einen Pechschwarzen Monitor. Keine ablenkenden Objekte, keine Fenster, keine Bilder, keine Taskleisten, Menüs, PopUps, Emails, Knöpfe, Links – hier ist nichts. Die übersichtlichen Konfigurationseinstellungen passen zum puristischen Ansatz des Programmkonzepts. Farben kann man verändern, AutoSave anstellen und ein paar andere Dinge. Da ist allerdings noch die Option, die Deckkraft des Schwarz zu verringern. Wem die Abgeschiedenheit im DarkRoom zu heftig ist, kann sein virtuelles Zuhause, seinen Desktop, in den Darkroom hineinscheinen lassen.

Technisch fühlt man sich plötzlich in eine Computerurzeit versetzt. Der Schreiber kann damit wieder an seinen Anfang zurückkehren. Da war nichts als einen blinkender Cursor. Sie nennen das den ‘least-distraction-Modus’ – welch schöner Name.

Windows Konsole

24. Januar 2007 von Guy Simonow

[inspic=41,left,fullscreen,thumb]Wenn es cygwin und den darin integrierten XServer nicht gäbe hätte man als armer Windowsnutzer überhaupt keine Chance ein einigermaßen funktionierendes Terminal zu benutzen. Meine Hoffnungen lagen kurzfristig auf console2 einer Funktionserweiterung für die Windowskonsole cmd mit Tabs (die ich im cygwin Xterm am meisten vermisse) und anderen netten Einstellmöglichkeiten. Man kann auch die bash von cygwin als Startoption wählen aber leider unterliegt die Konsole dann trotzdem den cygwin Einschränkungen. Für alle Windows-Entwickler sicherlich eine nötige Erweiterung!

Neujahrsblues

24. Januar 2007 von Guy Simonow

Seit dem Kongress ist hier nichts mehr passiert und der Kongress hat nicht einmal eine würdige Würdigung bekommen. Der letzte Tag ist für uns ziemlich ins Wasser gefallen, da wir in der Wohnung unseres BerlinHosts noch aufräumen mussten und nach nachtlangen Gesprächen auch eine Mütze Schlaf bitter nötig hatten. Vom Kongresscentre habe ich mich dann allerdings doch noch verabschiedet und mir einen weiteren, leider langweiligen, Vortrag angehört. Die Interessanten, die vorher stattfanden, habe ich alle verpasst. Nun. Bleibt die Hoffnung aufs nächste – bzw. auf dieses – Jahr.

Hamburger TelefondosenDas neue Jahr startete für mich dann im regnersichen Hamburg mit einer quasi Gegenveranstaltung zum CCC-Kongress. ‘It was more PC to let the computer switched off.’ Nun. Dafür waren die Tage in der Mutterstadt des CCC mit allerlei anderen Highlights gespickt: 0:00 Uhr auf dem Michel, ein ganzer Saunatag, eine absolut abgefahrene Video-3D-Show im Planetarium zu dem Album ‘The Darkside of the Moon’, das ich wirklich auswendig kenne, viel Essen – auch Kekse – und nette Zeit verbringen. Ich durfte dann schließlich doch noch für Eddi einen Computer kaufen und DSL und WLAN einrichten – war also insgesamt ein sehr gelungener Einstand.

Das neue Jahr fing zwar gut an, der Start hatte aber zur Folge, dass das Eintauchen in das normale Alltagsleben um so schwerer fiel. Wieder und wieder muss der eine oder andere kleine Tiefschlag ausgebügelt werden und das neue Jahr muss eine ständige Wachsamkeit gegenüber unseren Geschäftsprozessen bringen. So manche Seiten warten auf ein Update, so manches Projekt will begonnen werden, manches Projekt will beendet werden. 2007 werde ich lieben lernen müssen…

Powerpoint at it’s worst

30. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=40,left,fullscreen,thumb]Jetzt habe auch ich endlich mal eine echte PowerPoint-Karoke gesehen. Und dann auch noch eine mit Star-Besetzung: Quasi eine CCC-Vorstands-Karaoke mit special Guest Dan ‘the man’. Dan Unschlagbar! Es mussten glaube ich alle die Vorherrschaft von Dan ‘Elvis’ im sachen Unterhaltsamkeit anerkennen. Leider war er bereits ziemlich am Anfang dran, aber sonst hätte wahrscheinlich der Alkohol seinen Auftritt verhindert. Fefe wurde aus diesem Grunde dann nämlich bei der Hacker Jeopardy vermisst um in der letzten Runde gegen die Gewinner der Vorrunde anzutreten. Man braucht sich bei der Jeopardy glaube ich sowieso nur die letzte Runde anzuschauen, weil dann doch alle Quiz-Teilnehmer Leute sind, die es schwer aufm Kasten haben. Vorher ist es immer etwas mühsam (wenn keiner auch nur irgendeine Idee bei so mancher Frage hat). Ich denke, man sollte das Konzept des Spieles mal überdenken.

Die Abschlußrunde war allerdings doch ganz lustig – auch wegen fefes Alkohollevel, der ihn dann doch größtenteils zur Nicht-Beteiligung zwang. Die Fragenkategorie ‘tfdk’ (things fefe doesn’t know) ist allerdings wirklich lustig! Und: ‘he seems to be totally predictable’: wie macht man ein ‘@’ auf einem aktuellen Mac?

“hey mom, it’s just porn”

30. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=38,left,fullscreen,thumb]Es macht so ein bißchen den Eindruck, dass das Porno-Thema tatsächlich eines ist, dass hier jeden zu betreffen scheint. Tina Lorenz hätte gut und gerne in Saal 1 ihren Vortrag halten können und selbst da wären wahrscheinlich alle Plätze belegt gewesen. Sie hatte das wohl selbst kaum erwartet, war jedenfalls – zu recht – sehr aufgeregt. Es war sicherlich nicht der erste Vortrag, den sie gehalten hat, aber vor einem derartigen Publikum war es bestimmt ihr erster. Nun. Um ehrlich zu sein hätte die Sache doch etwas peppiger sein können. Mich hat das ganze so ein bißchen an einen Kolloqiumsvortrag in einem Graduiertenkolleg erinnert. Ein Beitrag von einer mutigen Frau, die sich ein ungewöhnliches Thema für ohr Disprojekt ausgesucht hat. Eine so große Audience, die so viel Expertise in diesem Themenbereich mitbringt und damit anscheinend doch einigermaßen offen umgeht, hatte Tina eher nicht erwartet. Frei nach dem Psychopädagogenmotto ‘du musst die Leute da abholen, wo sie stehen’ hätte frau auf höherem Niveau einsteigen können. So ein bißchen die Spritzigkeit hat gefehlt. Aber Hut ab vor dem Mut von Fr. Lorenz – starke Frau!

CopyStraight – we gotta fight

30. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=39,left,fullscreen,thumb]Es war mir eine außerordentliche Ehre einmal Lawrence Lessig persönlich erleben zu dürfen. Der Begründer der Creative Common Bewegung und Professor an der Stanford Law School zeigte mit unglaublichem Esprit, wie man eine schwierige Thematik deutlich und übersichltich an den Mann bringen kann. Am beeindruckendsten an seinem Vortrag war allerdings der Einsatz der Slides: Die Kernbegriffe seiner Aussagen wurden durch einen Knopfdruck auf seine Fernbedienung quasi Lippensynchron zum gesprochenen eingeblendet – in sehr schlichtem aber extrem stylishen Design. Suggestiv auch der Einsatz von schwarzem und weißem Hintergrund, fast wie in Hollywood: weißer Hintergrund schwarzer Text bei den ‘guten Ideen ‘, schwarzer Hintergrund und weiße Schrift bei den ‘bösen Ideen’. Die Schrift fast etwas gewagt in einer gebrochenen Courier-Type, Grafiken und Artwork sehr effektvoll eingesetzt. Ob Mr. Lessing seine Slides selber macht, habe ich mich gefragt – wenn nicht, hat er auf jeden Fall Leute im Team, die ihr Handwerk verstehen. Was nicht besonders verwundert, wenn man seinen Gedanken zur CCL versucht nachzuvollziehen.

Die Content-Communities (music, video, bilder) haben den Kampf um den Umgang mit ihrer Autorenschaft gerade erst angefangen. Die Softwareszene hat mit den Diskusionen um GPL, Apache-License und ähnlichem die synthetisierungsprozess im Prinzip in den 80er und 90er Jahren bereits ausgefochten und es haben sich Lizenzsysteme entwickelt, die Effektiv und stabil kreative Softwareentwicklung födern und befruchten können. Es zeigt sich aber, dass die Errungenschaften um Softwarelizenzen nicht eins zu eins auf die Content-Bereiche zu übertragen sind, da in deren Zusammenhang es andere Mechanismen gebraucht werden, um ‘free driving’, also das entnehmen aus dem ‘Sharing-System’ ohne etwas zurückzugeben, eindämmen zu können. Die Kommerzielle Verwertbarkeit scheint im Content-Bereich eine stärkere Absicherung vor Missbrauch zu benötigen. Lessig verteidigte deswegen sein Konzept der ‘Puzzle-Lizenz’ die einem Content-Produzenten die Wahl läßt zu entscheiden, was mit dem Material, das der Community zur Verfügung gestellt wird, pasieren kann bzw. darf (kommerzielle Verwertung/Benutzung, Veränderung, Credits). Lessig ist der Auffassung, dass die bestehenden Systeme und Rechtsauffassungen im Prinzip bestehen bleiben müssen, dass man also in der Sprache der ‘Judges of old days’ ein rechtsstaatliches Paralleluniversum errichtet, dass den Kreativen den Raum schafft, ihre Sampling-Kultur weiter zu entwickeln. Und aus der Sicht des Juristen ist diese Einstellung auch durchaus nachvolliziehbar: Wenn man Kämpft, dann doch mit den selben Waffen, die das überkommene System benutzt.

Beeindruckend auch die Reihe der Diskussionspartner, die Lessig noch ein bißchen tiefer auf den Zahn fühlen wollten. Zum Abschluß dann auch John Perry Barlow, der sich dafür stark macht, in einer gemeinsamen Bewegung, einer Art Hippie-Hacker-Bewegung, das alte System zu brechen und dann letztlich ‘top-down’ einen, unseren, Umgang mit CopyRightLeftWasauchimmer durchzusetzen. Mein persönlicher Favorit für den diesjährigen Award für die beste Lecture.

Die Fünf-Minuten-Talks

29. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=36,left,fullscreen,thumb]Endlich, in ermangelung besserer Alternativen, haben wir dem CCC-Congress-Format ‘Lightning Talks’ beiwohnen dürfen, das es mehrfach über den Kongreß verteilt gab. Fünf Minuten pro Sprecher ohne Diskussion oder Kommentare. Technische Probleme bei so kurzen Voträgen bei denen jeder seine eigenen Slides hat, wären eigentlich noch mehr zu erwarten gewesen, als dann tatsächlich aufgetreten sind. Insgesamt eine wirklich kurzweilige Angelegenheit. Von absurden VitaminC-Google-Suchergebnis-Auswertungen über profunde Hacking und VoIP Infos bis hin zu reinem 4D-bashing, was wirklich lustig war und nicht nur, weil wir selbst involviert sind in 4D-datenbank-Backups. Das Afrika-100Euro-Laptop, das rumgereicht wurde und nicht mehr bei mir ankam, wil ich zu weit hinten saß, müssen wir uns unbedingt noch anschauen!

Der dritte Tag scheint nicht so richtig unser Tag zu sein – zumindest inhaltsmäßig. Jetzt ist erstmal große Pause und wir können uns auf dem Gelände etwas die Zeit vertreiben.

CounterStrike against political use of technologie

29. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=35,left,fullscreen,thumb]Counter Developement nennt Sandro Gayken seinen Versuch über Widerstand gegen die technologische Staatsgewalt. Besonders interessant fand ich den Gedanken, dass wir physischen Zugang zu den technischen Ressourcen wiedererlangen sollten, sobald Technologie zu politischen Zwecken eingesetzt wird. Bei den Wahlcomputern kann man sich noch vorstellen, dass man als Normalbürger physische Kontrolle über das Gerät erlangen kann; bei Data Retention (Vorratsdatenspeicherung) ist das schon schwieriger Vorzustellen. Kontrolle und/oder physischer Zugang sollte sich dabei m.E. nicht nur auf die ‘technial Appliances’ beziehen, sondern auch die immaterielle Datenlage berücksichtigen: Was nützt mir die physische Kontrolle über die Server, wenn das entscheidende nicht das Gerät ist, sondern die Daten, die auf dem Gerät gespeichert sind. Ich denke, in diesem Fall kann physischer Zugang nicht gleichgesetzt werden mit der Kontrolle über die Daten. Kommt jemand an den Stecker sind die Daten evtl. verloren – was zwar als Akt des Widerstandes gelten kann, aber auch das Umgekehrte bedeuten kann. Als Beispiel sei nur an die Konfiszierung des bis dahin größten eDonkey-Servers Razorback2 erinnert: Die Behörden nahmen den Server wegen Verdacht auf Urheberrechtsverletzung vom Netz; und nicht nur vom Datennetz sondern auch vom Stromnetz. Damit hatten die Beamten allerdings sämtliche gespeicherten Userdaten aus dem 16GB großen flüchtigen Speicher (RAM) gelöscht und sich damit aller Beweismöglichkeiten für Rechtsverletzungen beraubt. Was für uns ein Glück ist kann sich aber genauso schnell ins Gegenteil kehren. Very stimulating talk!

Dreitag

29. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=33,left,fullscreen,thumb]Dieses mal waren wir zwar zeitig da, aber die Panels waren nicht ganz nach unserem Geschmack, aber mit einer verlängerten Pause einsteigen hat auch so seine Vorzüge. Die Wifi-Sache schien doch, letztlich wie erwartet, sehr technischer Natur zu sein und für den Alltagsgebrauch eher ungeeignet. Was ich im rausgehen noch aufgeschnappt habe war, dass mit DraftN die ganze Sache wohl etwas besser werden wird – aber das hat man irgednwie auch erwartet. Es schien allerdings so auszusehen, dass man dem ‘normalen’ Kabel damit noch lange keine Konkurrenz machen kann.

Die lange Pause wurde außerdem genutzt um noch ein paar nette Fotos zu schießen und wenn Carsten die rechte Muße findet gibts vielleicht noch eine kleine Gallerie mit Kongreßimpressionen.

Dan ‘the man’. The King IS alive.

29. Dezember 2006 von Guy Simonow

[inspic=19,left,fullscreen,thumb]Man versteht ja leider nur die Hälfte – wenn überhaupt – von dem, worüber Dan Kaminsky uns berichtet, aber die Show ist unerreicht. It rocks. Vor allem die Empathie seinem absurden Kram gegenüber kommt beim Publikum an und ein Teil seiner Visualisierungsideen hat es selbst in meinen Verständnishorizont geschafft. Dan visualisiert alles Mögliche und dieses Jahr war es ein HEX-Code bash und seine Idee von Byteweiser Dateivisualisierung, wenn ich das richtig verstanden habe. Als Zugabe gab es dann doch noch ein oder zwei Hackeranekdoten von dem Mann, durch dessen Wohnzimmer der größte Internet-Backbone gelegt worden zu sein scheint. Aus der Bioinformatik stammt sein diesjähriger Forschungsansatz und so gekonnte Schlenker in Sprachwissenschaft, Informatik und Netzwerktechnologie kriegt man wohl sonst nirgends. We will attend his show next year.


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